Anwender berichten

Versorgung eines Zapfenzahnes in der Front

Dr. Marc Langenbeck, Hamburg

Die 18-jährige Patientin wurde in meiner Praxis vorstellig mit dem Wunsch nach ästhetischer
Verbesserung ihrer Oberkieferfront. Sie störte sich an einer angeborenen Hypoplasie des Zahnes
12 - einem sogenannten Zapfenzahn - und wünschte eine schnelle und unkomplizierte Versorgung.

Abb. 1: Ausgangssituation Zapfenzahn 12

Als Therapiealternativen stehen hier direkt angefertigte Kunststoffaufbauten oder indirekt, also im
Labor, hergestellte Keramikschalen (Veneers) zur Verfügung. Der Übergang zu einer vollkeramischen
Teilkrone ist je nach Größe des Zapfenzahnes fließend. Da die Patientin eine langfristige und stabile
Versorgung wünschte, wurde eine vollkeramische Versorgung mit Lithiumdisilkat beschlossen: durch
den Chamäleoneffekt passt sich diese Keramik besonders gut an die umliegenden Strukturen an und
bietet durch eine initiale Biegefestigkeit von 360 MPa ein hohes Maß an Stabilität.

Es lagen keine Abrasionen oder sonstige Anzeichen vor, welche auf eine craniomandibuläre
Dysfunktion hingewiesen hätten, so dass auf eine aufwändige Funktionsanalyse und ein Mock-Up
verzichtet werden konnte. Eine Korrektur der roten Ästhetik war ebenfalls nicht notwendig, da ein
gleichmäßiger Gingivaverlauf gegeben war.

Da rein additiv gearbeitet werden konnte, verzichtete ich zugunsten des maximalen Erhaltes
gesunder Zahnhartsubstanz auf eine ausgeprägte Präparation. Lediglich im Bereich der
Präparationsgrenze legte ich eine deutliche Hohlkehle an und reduzierte die faciale Fläche, um
genügend Platz für die Mindestmaterialstärke von 1,2 mm gewährleisten zu können. Da die spätere
Versorgung adhäsiv befestigt werden sollte, ist der Erhalt von möglichst viel Schmelzanteil besonders
wichtig.

Abb. 2: Abformung mit Triple-Tray-Frontlöffel

Für die Abformung wurde ein Triple-Tray-Frontlöffel verwendet, welcher eine Abformung der
Präparation, des Gegenkiefers und des Bisses in nur einem Arbeitsschritt ermöglicht. Dies ist
nicht nur zeitsparend, sondern durch die mundgeschlossene Vorgehensweise für den Patienten
auch sehr angenehm.

Die Abformung wurde anschließend im zentralen absolute Ceramics Fertigungszentrum (biodentis
GmbH, Leipzig, D) eingescannt. Auf Basis dieser digitalen Datensätze wurde anschließend von
eigens auf die CAD/CAM-Technologie spezialisierte Zahntechniker eine vollanatomisch gestaltete
Frontzahnkrone modelliert. Dies keramische Restauration wurde anschließend aus einem
vorgefertigten Block (IPS e.max CAD, Ivoclar Vivadent) herausgeschliffen.

Abb. 3a und b: Screenshot der Präparation und der modellierten Krone

Nach nur 4 Tagen konnte ich meiner Patientin die Restauration einsetzen. Durch die hohe
Biegefestigkeit des Lithiumdisilikates kann auf eine aufwendige Vorbehandlung des Zahnes
mit einem Mehrflaschenadhäsivsystem verzichtet werden, so dass ich als Befestigungs-
komposit ein selbstadhäsives System (RelyX Unicem, 3M Espe) wählte. Die Krone wurde
zuvor 20 Sekunden mit 3% Flusssäure geätzt und anschließend silanisiert.

Das Ergebnis ist eine hochzufriedene Patientin, da ihrem Wunsch nach einer schnellen und
unkomplizierten aber doch langfristigen und ästhetisch hochwertigen Lösung entsprochen
werden konnte.

Abb 4: Der zuvor viel zu kleine und rundlich geformte Zapfenzahn besitzt nun eine Schneidekante
und ist sowohl form- als auch farbtechnisch kaum von seinen natürlichen Nachbarzähnen zu
unterscheiden.